An Silvester traf sich Erwin mit Dr. Hauke Rabauke, dem bekannten Namensforscher. Sie hatten Tickets für den „Finalen Totentanz der Teufel auf dünnem Eis über dem Vulkan als gäbe es kein Morgen“ - eine rauschende Gala in Wedding. Erst mal tranken die beiden eine Flasche Absinth, dann stiegen sie in Rabaukes Daimler und rasten los, durch die glitzernden Strassen dieser Stadt. Auch Sarah Sahara hatte sich für den Abend im Marmor-Bankett-Kronsaal angekündigt. Erwin trug für Sarah stets ein liebliches Gedicht im Herzen, das ihr aufzusagen er sich nie zu trauen gewagt hatte. Und in der Tat, Sarahs Schönheit war atemberaubend heute Nacht. Die Haare wüst, ein Funkeln in den Bernstein-Augen. Sie schwebte gerade in der Ferne eine Treppe hinab.
Viele Gäste mussten um der Kinder willen schon um 19.30 Uhr gehen. Andere gingen selbst noch zur Schule und wollten noch zu einem anderen Tanzfest. Dr. Rabauke bemerkte wohl, wie es um Erwin bestellt war. Der Doktor setzte sein Monokel auf und begann zu analysieren. „Erwin“, sagte Rabauke mit seiner hypnotischen Stimme, „dieser Name stammt zunächst einmal von Herr. In seiner kastrierten Form verkürzt sich das Herr dann zu einem schlichten Er. Darauf folgt das wimmernde, ewig lamentierende Wien. Zur Kombination von beidem brauche ich nichts mehr zu sagen.“ „Ja ich bin ein Würstchen“, antwortete Erwin. Er hatte nur halb zugehört. Am Nachbartisch, an dem auch Sarah Sahara Platz genommen hatte, hatte sich ein Gespräch darüber entsponnen, ob die späten 20er Jahre neuerdings in Mode waren. Die Mehrheit der Tischgenossen empfand einen derartigen Trend, so es einen solchen denn gäbe, als dekadent. "Hauen Se auf die Pauke Rabauke", sagte Erwin, griff zum Tischtelefon und rief Sarah an. „Frau Sahara, darf ich Sie zum Tanz bitten?“ säuselte er in das plüschige Gerät. „Ach Erwin, du bist es, na klar!“. Und während Sarah und Erwin eng umschlungen Walzer tanzten und dann im Mondlicht von Dach zu Dach sprangen, dachte Dr. Rabauke an das neue Jahr und rauchte eine letzte Zigarre.
Sonntag, 28. Dezember 2008
Silvester mit Sarah Sahara
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1 Kommentar:
Hallo Herr Kabak,
Vielen dank fuer diese wunderschoene Erwingeschichte. Ich freue mich auf weiteren Lesestoff!
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